DJing “the other way”

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As many of you know, I was DJing on a regular basis since 1998. I played at huge festivals with up to 4000 people dancing to my beats, and small club venues with 100 people that were freaking out even more than the 4000 – 🙂 – all over the world (mainly Europe, but my gigs brought me to Cape Town and Johannesburg in South Africa, St. Petersburg and Moscow in Russia or Seattle in the USA as well).

The way I selected music at all these events was the same: I searched for tunes that I could mix together pretty fluently and without a break. Well, that is the suppposed to be the “art” of DJing, creating something new. I always (besides being a music producer as well) thought of myself as an artist while DJing. My skill was to mix electronic beats tightly and react to the crowd. (Mixes of my activities can be found at Play.Fm)

Wikimedia Hackathon Vienna 2017-05-20 Party at Arena 05

Wikimedia Hackathon Party @ Arena
Well, last weekend I changed that attitude for the first time in my life at a public performance. I played a DJ-Set at the Wikimedia Hackathon in Vienna at ARENA last Saturday and I made breaks between the tunes! And I selected the music differently. I still reacted to the crowd and changed my playlist when I saw that this kind of stuff did not work out well, but I played tunes that are absolutely UNMIXABLE. That had different reasons: Not all music I played was electronic dance music, I played some Jazz, Rock and other stuff inbetween.

I broke my own principle of “mixing fluently is a must”. And you know what? It felt good. I loved it when people reacted to the music that came from my heart. And, to be honest, Drum&Bass – the music I played for more than 15 years – is still in my heart, but I love other styles as well. Why should I as a DJ not share that stuff with a selected, nerdy crowd? Damn, I did it. And I would do it again.

Because a lot of people asked me to name certain tunes, I did re-construct my DJ-Set and put together the Playlist. Here you go:

Wikimedia Hackathon Party in Vienna on May 20th, 2017:
DJ Shroombab_Wikimedia-Hackathon-Party-Playlist_(Booklet)
DJ_Shroombab_-_Wikimedia-Hackathon-Party-Playlist as a PDF

RĂŒckblick Wikipedia Edit-a-thon in Graz

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ArtAndFeminism edithathon, Graz, March 2017 (05)

Anfang MĂ€rz haben Claudia Garad (Wikimedia Österreich GeschĂ€ftsfĂŒhrerin) & ich im Rahmen des Elevate Festivals einen Wikipedia Edit-a-thon in Graz organisiert und ich habe euch noch gar nicht erzĂ€hlt, wie es eigentlich war! Aber viele Interessierte von euch werden wohl auch schon den Futurezone-Bericht dazu gelesen haben, der es im Wesentlichen zusammenfasst.

Eine Person, ohne die der ganze Edit-a-thon nur halb so gut (oder sogar noch viel weniger gut!) gewesen wÀre, kommt darin gar nicht vor: Renate.

ArtAndFeminism edithathon, Graz, March 2017 (25)

Renate ist die Frau mit dem fetten Grinsen auf dem Foto und der roten Brille in der ersten Reihe mitte. Sie sorgte nicht nur dafĂŒr, dass wir auch alle stĂ€ndig lachen mussten, sondern sie ist extra aus Berlin zu uns gekommen,  um uns Neu-Wikipedianerinnen die wichtigsten Dinge nĂ€her zu bringen, die man gar nicht wissen kann, wenn man gewisse Erfahrungen noch nicht gemacht hat. Renate Nuppenau (Wikipedia Benutzerinnen-Profil) ist eine sehr aktive Wikipedianerin, die zahlreiche, spannende Ankedoten rund ums Editieren fĂŒr uns parat hatte – aber auch sehr viele praktische Tipps abseits des Begriffs “Frustrationstoleranz”. Danke, liebe Renate!

Frustrationstoleranz?
Nach meinem Futurezone-Bericht erkannte ich erst so richtig die Bedeutung des Begriffs. Bei unserem Edit-a-thon ging es nĂ€mlich darum, vor allem Frauenprofile von bedeutenden KĂŒnstlerinnen wie Autorinnen, Musikerinnen, Denkerinnen, Dichterinnen, etc. einzutragen. Unter dem Artikel tauchten aber User-Kommentare auf wie: “NatĂŒrlich kann man Probleme suchen wo gar keine sind. Aber ob das Sinn macht und ob man darĂŒber einen Artikel erstellen sollte ist eine andere Frage…” (Und das war noch einer der harmloseren). Da könnte man sich doch glatt frustriert fragen, wozu…  Aber dieses “FrustrationsgefĂŒhl” hielt nicht lange, denn:

GlĂŒcklicherweise hat sich jemand von Wikimedia durchaus auch bereits die MĂŒhe gemacht, mit analytischen Methoden zu messen, ob es einen Unterschied macht, wenn man die Profile von wichtigen weiblichen Persönlichkeiten bewusst in der EnzyklopĂ€die ergĂ€nzt. Das Beispiel, das sie dafĂŒr herangezogen haben, dreht sich rund um die Studentin Emily Temple-Wood. Emily hat fĂŒr jede Troll-Mail, die sie bekam, eine Wissenschaftlerin in die Wikipedia eingetragen – und aufgrund des großen Zuspruchs das WikiProject Women scientists gegrĂŒndet.

Enwiki mean weighted sum.diff of all ws.annotated

Die Wikimedianer haben den Impact wissenschaftlich analysiert und sind zu dem Schluss gekommen: “Emily hat einen Unterschied gemacht. Das wurde untersucht, bewiesen und prototypisiert. Es ist nicht nur ein Symbol, sondern ein echter Wandel.”

In diesem Sinne: Let’s keep editing! Und er wissen will, was wir beim Edit-a-thon in Graz eigentlich so editiert haben, findet das auf unserer Art & Feminism Wiki Seite.

PS: Wer nicht nur editen will, dem sei gesagt: Diesen FrĂŒhling kommt die grĂ¶ĂŸte Technik-Veranstaltung von Wikimedia nach Wien: Der Wikimedia Hackathon 2017. Ein Wochenende lang kommen rund 200 Freiwillige aus aller Welt zusammen, um MediaWiki, die Software von Wikipedia & Co., zu verbessern. Falls das Editieren nichts fĂŒr euch ist, vielleicht ist es ja das Programmieren 😉

Ausschreibung Anthologie “Smart Lies”

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Nachstehend findet ihr die Ausschreibung zu meiner ersten “Short Story”-Anthologie, die ich 2017 als Autorin herausgeben werde. Thema: Alles smart // Smarte LĂŒgen

Oh, du smarte, neue Welt: Beim „Internet der Dinge“ liegen Wirklichkeit und Utopie nah beieinander: Die ersten vernetzte KĂŒhlschrĂ€nke, die Spam-Mails verschickt haben, gab es bereits im Jahr 2014. Vernetzte Autos, deren Bremsen am selben System hingen wie der Autoradio, wurden 2015 geknackt und aus der Ferne manipuliert. 2016 folgten Smart-TVs, ĂŒber deren Kamera PĂ€rchen beim Sex im Wohnzimmer gefilmt worden waren. Die Filmchen landeten freilich auch auf Porno-Webseiten im Internet. 2017 bestellte das digitale Assistenzsystem Alexa millionenfach in Privathaushalten selbststĂ€ndig Barbie-HĂ€user, als es auf einen Sprachbefehl einer TV-Werbung reagierte. Diese Geschichten hĂ€tten auch Science-Fiction-Autoren nicht besser hingekriegt!

Oft sind es aber auch weniger spektakulĂ€re Dinge, wie IP-Überwachungskameras, Thermostate, Feuermelder, Netzwerkdrucker oder WLAN-Router, die das “Internet der Dinge” zu einer wahren Gefahr fĂŒr das gesamte Internet machen.

Die Anthologie beschĂ€ftigt sich daher mit dem Thema „Alles smart, oder?“ – Smarte GerĂ€te sind oft gar nicht so intelligent wie sie auf den ersten Blick scheinen. Oft sind es auch einfach kleine SpionagegerĂ€te und wir geben damit zudem immer hĂ€ufiger die Herrschaft ĂŒber unsere eigenen Entscheidungen ab. Eine App hier, die uns die Wassertemperatur verrĂ€t, einen App da, die unsere Heizung aufdreht. Doch was passiert eigentlich, wenn wir uns auf die Aussage der digitalen Assistentin Alexa verlassen, die sagt, dass es draußen schneit, statt einfach selbst aus dem Fenster zu sehen und und dabei festzustellen, dass die Sonne scheint?

In meinem Songtext „Smart Lies, Spooky Spies“ beschĂ€ftige ich mit genau diesen Dingen. Von euch, liebe Autorinnen und Autoren, wĂŒnsche ich mir, dass ihr eure Geschichten, die nun in euren Köpfen entstehen, mit mir teilt und ihr sie niederschreibt! Ihr mĂŒsst dafĂŒr keine neue „Black Mirror“-Folge schreiben oder eine Vorzeige-Dystopie – auch „positive“ Texte sind willkommen, sofern sie sich kritisch mit der „Alles smart“-Thematik auseinander setzen.

Genre: Egal. Aber bitte: Prosa aus dem Bereich “Short Story”. Keine Lyrik.
Annahmeschluss: 3. September 2017
Herausgeber: Barbara Wimmer, GĂŒnther Friesinger
Erscheint als: E-book, E-Pub, PDF und voraussichtlich Print.
Verlag: edition mono / monochrom
TextlÀnge: bis maximal 25.000 Zeichen pro Autor/in, höchstens 2 Einreichungen pro Person.
Ausschlusskriterien: Volksverhetzende, rassistische, die Rechte von Minderheiten verletzende, pornografische oder gewaltverherrlichende Texte. Texte, die religiöse GefĂŒhle verletzen. Texte, die gegen die Gesetze verstoßen und dergleichen mehr. NatĂŒrlich mĂŒssen die Texte von euch stammen und dĂŒrfen noch nicht veröffentlicht sein. Die Werke werden unter einer Creative Commons-Lizenz erscheinen, das bedeutet fĂŒr euch als Autoren, dass ihr diese Texte nach dem Erstabdruck in der Anthologie selbst weiter verwenden dĂŒrft, aber auch “Open Access” gewĂ€hrleistet wird.
Format: .doc, .docx oder .rtf
Rahmeninformationen: Es werden bis zu 15 Geschichten veröffentlicht. Die Herausgeberin selbst macht auch mit. Bei mehr Einsendungen entscheidet eine Jury ĂŒber die Veröffentlichung. Es ist eine Lesung zur Anthologie rund um die „Privacy Week“ Ende Oktober 2017 (zwischen 23. und 28. Oktober) in Wien mit bis zu drei Autorinnen oder Autoren geplant. NĂ€heres wird bekannt gegeben, sobald der Termin fest steht. Die Anthologie selbst soll im MĂ€rz 2018 erscheinen. Rund um diesen Termin wird es selbstverstĂ€ndlich weitere Lesungen geben!
Einsendungen: Bitte per Mail an shroombab@gmx.at mit dem Betreff „Smarte LĂŒgen“. LebenslĂ€ufe, Fotos, Kurzbeschreibungen und Liste der Publikationen werden erst benötigt, wenn die Auswahl feststeht. Bei Fragen bitte einfach schreiben!

Ziel ist es, mit dieser Anthologie ein neues Publikum zu erreichen, um auf die durch die Technologien getriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen aufmerksam zu machen. Also: Ran an die Schreibblöcke und an die Tastatur! Bringt sie zum GlĂŒhen!

Neue “Musik mit Message” ist fertig

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Wie ihr wisst, habe ich 2015 das Projekt „Musik mit Message“ gestartet. Dabei geht es darum, ganz bewusst Musik mit Aktivismus zu kombinieren, um Menschen ĂŒber Kunst- und Kulturprojekte auf gesellschaftlich relevante technologische Entwicklungen aufmerksam zu machen. Im Oktober 2016 erschien dazu die fantastische “We Killed Privacy Remix LP”.

Elevate Festival
Jetzt geht das Projekt weiter mit einem neuen Song und einer neuen SĂ€ngerin. Es bleibt von Beats, Text und Vocals als zu 100 % female power.

Bei “Smart Lies, Spooky Spies” hat mich Romana aka MC Rome aus Graz tatkrĂ€ftig hinter dem Mikrophon unterstĂŒtzt. Wir werden am 1. MĂ€rz 2017 bei der Eröffnung des Elevate Festivals, die im Dom am Berg von 20-22 Uhr stattfinden wird, gemeinsam auf der BĂŒhne stehen, um den Song live zu prĂ€sentieren. Ich bin schon ein wenig aufgeregt und in Vorfreude!

Soundcloud
Wer schon besonders neugierig ist, kann schon reinhören. Auf Soundcloud haben das Projekt ja schon “einige Nutzer” (well, rund 18.000, um genauer zu sein) entdeckt…  da kann und will ich es euch auch nicht mehr lĂ€nger vorenthalten.

Was dahinter steckt
Bei “Smart Lies, Spooky Spies” geht es ĂŒbrigens, wie der Titel schon sagt, darum, dass uns heutzutage viele technische GerĂ€te als intelligent verkauft werden, die unser aller Leben erleichtern sollen, das oft nur bedingt bis gar nicht tun, sondern uns stattdessen ausspionieren. Da wĂ€ren etwa die smarten GlĂŒhbirnen oder Kaffeemaschinen, die man per App steuern kann.

Wer, bitte schön, wartet gerne 30 Minuten lang, bis er das Licht wieder einschalten kann, weil sich seine GlĂŒhbirne gerade ein Update runterlĂ€dt? Und was bringt es nochmal, wenn man vom Bett aus die Kaffeemaschine per App ansteuern kann, dann aber erst recht aufstehen muss, um sich die Tasse ins Schlafzimmer zu holen? Das ist nicht viel mehr als Bequemlichkeit.

Aber zu welchem Preis? Was passiert, wenn die Kaffemaschine sich eines Tages mit den gespeicherten Fitness-Daten verbindet und einem die nĂ€chste Tasse Kaffee aus GesundheitsgrĂŒnden verbietet, weil ansonsten die Versicherung, der diese Daten ebenfalls vorliegen, aussteigt?

Auch die “Quantified Self”-Bewegung wird im Song kritisch unter die Lupe genommen. NatĂŒrlich habe auch ich mich schon einmal dabei ertappt, wie mein Kopf mir an einem freien Sonntag, den ich faul auf der Couch lungernd verbracht hatte, gesagt hat: “Du musst dich jetzt aber ein bisschen bewegen, sonst zeigt dein SchrittzĂ€hler am Smartphone am Ende des Tages 0 an.”

Wie dumm ist das denn bitte? Ein paar Runden um den HĂ€userblock drehen, nur um sein Smart Watch zufriedenzustellen, die ansonsten dauernd blinkt und einen darauf aufmerksam macht, dass man heute sein Fitness-Ziel noch nicht erreicht hat?

Am Ende des Songs, schreibe ich:

Who are we?
It seems we are free
But we traded control
Like a Bullethole

We are dependent on machines
addicted to screens
logging our lifes
with little spies

Let’s disconnect our brain
and get get back power and gain!

Ich wĂŒrde mich daher freuen, wenn ihr ein wenig darĂŒber nachdenkt. Dann hat meine “Musik mit Message” ihre Wirkung getan. Ach ja – und falls ihr das wunderbare Werk unterstĂŒtzen wollt: Über Bandcamp könnt ihr den Titel, der wieder unter Creative Commons Lizenz erschienen ist, kĂ€uflich erwerben. Danke im Vorhinein!

PS: Eine eigene WordPress-Seite fĂŒr das Projekt gibt es auch.

PS 2: Dieses Mal wird es keine organisierte Remix-Aktion geben. KĂŒnstler, die daran Interesse haben, können sich natĂŒrlich trotzdem melden und ich schicke euch die Vocal-Samples gerne zu. Stattdessen wird es dazu ein “Literature with a message”-Projekt geben. Ich halte euch diesbezĂŒglich auf dem Laufenden!

Edit-a-thon: KĂŒnstlerinnen fĂŒr die Wikipedia

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Gemeinsam mit Claudia Garad von der Wikimedia Österreich co-organisiere ich am 4. MĂ€rz in Graz im Rahmen des Elevate Festivals einen Edit-a-thon. Einen was? Einen Editier-Marathon. Dabei geht es darum, gemeinsam namhafte, relevante KĂŒnstlerinnen in die Wikipedia einzutragen, oder Artikel um Fotos und Text zu ergĂ€nzen sowie beim Datenprojekt Wikidata anzulegen.

Die Idee, gerade Art & Feminism miteinander zu kombinieren, ist nicht neu, findet aber in dieser Form zum ersten Mal in Österreich statt. Art & Feminism (zu deutsch Kunst und Feminismus) ist ein jĂ€hrlich stattfindender, weltweiter Wikimarathon (auch Edit-a-thon) mit namenhaften Partnerorganisationen wie dem Museum of Modern Art (MOMA) in New York oder der Tate Britain in London.

Warum mach ich das?
Mein persönlicher Bezug dazu: Ich habe erst kĂŒrzlich an meinem ersten Mapathon teilgenommen und war bereits bei diversen Hackathons dabei. Und kann euch daher sagen: So etwas macht Riesenspaß! Gemeinsam etwas Sinnvolles zu tun und dabei auch noch etwas zu lernen ist eines der schönsten Dinge, die man ĂŒberhaupt tun kann. Und die Wikipedia ist fĂŒr mich eines der Vorzeigeprojekte im Bereich Kollaboration, Schwarmintelligenz und Netzkultur.

Als Medienvertreterin und als Musik-Produzentin ist mir außerdem immer wieder aufgefallen, wie wenig Frauen aus der Szene – sei es Journalismus oder Musik-Produzentinnen oder auch Video-KĂŒnstlerinnen – tatsĂ€chlich einen eigenen Wikipedia-Eintrag haben, obwohl sie den durchaus strengen Relevanz-Kriterien der deutschen Wikipedia-Fassung entsprechen. Ich wĂŒrde mich daher sehr freuen, wenn möglichst viele von euch kommen können und mitmachen!


Hier folgt noch der AnkĂŒndigungstext mit allen Informationen, die ihr dafĂŒr baucht:

Wikipedia ist mehr als eine Webseite – sie ist mittlerweile ein Symbol fĂŒr eine offene, kollaborative Netzkultur, eine der seltenen SphĂ€ren des Internets, in der weder kommerzielle noch politische Interessen im Vordergrund stehen. Vor allem aber kann nicht nur konsumiert, sondern produziert werden, denn die Inhalte der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte wie Wikidata stammen von Freiwilligen, darunter einige ExpertInnen und zahlreiche Laien – Menschen wie du und ich.

Doch obwohl der Zugang zum Editieren jeder und jedem offen steht, spiegeln die Wikimedia Communities meist nicht den Bevölkerungsdurchschnitt wider. Zahlreiche Gruppen sind unterreprĂ€sentiert; Frauen z.B. machen gemĂ€ĂŸ aktueller SchĂ€tzungen nur rund zehn Prozent der aktiven Freiwilligen aus. Das macht sich in Folge auch in den Inhalten bemerkbar: Biographien zahlreicher verdienter Frauen fehlen oder sind ausbaufĂ€hig, ebenso von Persönlichkeiten mit LSBTTIQ-Hintergrund, also lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle und queere Menschen.

Im Rahmen unseres Edit-a-thons, also Editier-Marathons, möchten wir dazu beitragen, dass sich das zum Positiven verĂ€ndert und laden alle Feministinnen und Feministen sowie Menschen aller GeschlechteridentitĂ€ten ein, gemeinsam mit uns Wikipedia und – anlĂ€sslich des Open Data Days – auch Wikidata mit Artikeln und Daten zu KĂŒnstlerinnen aus unterschiedlichen Bereichen wie Musik, Film, Literatur, Theater, Kunst und Kultur, zu bereichern.

Eckdaten
Samstag, 4. MĂ€rz, 2017. Von 13 bis 19 Uhr. Im Rotor – Zentrum fĂŒr zeitgenössische Kunst (Volksgartenstraße 6a, 8020 Graz). Bitte bringe den eigenen Laptop mit! 

Es sind keine Wikipedia- und Wikidata-Vorkenntnisse nötig. Wer sich aber schon ein bisschen vorbereiten möchte findet hier knackige Online-Tutorials: https://www.youtube.com/channel/UCfJqLh2xfJMIwwf2NiT6eJg

PS: Das Elevate Festival hat auch sonst ein wirklich umwerfend tolles Programm. Im Bereich Diskurs & Aktivismus geht es um Big Data, und auch das Musik & Kunst-Programm kann sich sehen lassen! Es lohnt sich auf jeden Fall, hinzukommen!

Ich hab da mal was recherchiert….

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“Wenn wir Informationen nicht verifizieren können, veröffentlichen wir sie nicht.” Das hat Paul Radu, ein rumĂ€nischer Investigativ-Journalist und PrĂ€sident des Reporter-Netzwerkes Organized Crime and Corruption Reporting Project OCCRP in einem Investigativ-Workshop erzĂ€hlt, den er vor einiger Zeit beim fjum in Wien gehalten und den ich als Teilnehmerin besucht hatte. Nicht nur das, sondern noch viel mehr von seinen Erfahrungen sind mir lebendig in Erinnerung geblieben.

Anfang des Jahres konnte ich einige der Tipps endlich mal in die RealitĂ€t umsetzen. Ich stellte mir die Frage: Wie sieht es eigentlich mit den Verstrickungen zwischen Politik und Tech-Wirtschaft in Österreich aus? Treffen sich Tech-Firmen hierzulande auch regelmĂ€ĂŸig mit Ministerien und der Regierungsriege? Recht schnell stieß ich dabei auf die Internetoffensive Österreich (IOÖ) und stellte fest, dass das Wording der Aussendungen der IOÖ sich in gewissen Bereichen – vor allem, wenn es rund um den neuen Mobilfunkstandard 5G geht – mit den Aussagen der Regierungsriege decken.

“Österreich soll zum Vorreiter bei 5G werden” – heißt es da etwa im Plan A des Bundeskanzlers und im darauffolgenden Arbeitspapier. Der Verein selbst prĂ€sentierte “rein zufĂ€llig” eine Studie dazu, wie “Österreichs Weg an die 5G-Spitze” denn im Detail aussehen könnte, so aus Mobilfunk-Sicht. FĂŒr mich war das Grund genug, mir den Verein mal nĂ€her anzusehen. Und alle Informationen, die ich tatsĂ€chlich verifizieren konnte, sind in meinem Artikel eingeflossen.

Es ist eine Geschichte der Intransparenz und engen Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik: Der Verein “Internetoffensive Österreich” mit der Bundesregierung.

–> Das verschleierte Lobbying der Mobilfunker <–

Lobbying
Dazu muss man freilich sagen: Lobbying ist per se nichts Böses. Aber: „Es ist aber problematisch, wenn die Industrie versucht, fĂŒr sie wichtige Gesetze zu beeinflussen, aber die Öffentlichkeit, Zivilgesellschaft und Wissenschaftler nicht einmal etwas davon wissen. So kann kein ausgleichendes Gegengewicht geschaffen werden und es könnte dazu fĂŒhren, dass Gesetze in eine Richtung tendieren und ein besonders freundliches Umfeld geschaffen wird, das nur denen nĂŒtzt, die die meisten Ressourcen fĂŒr Lobbying zur VerfĂŒgung haben.“ (Zitat Mathias Huter)

Bei derartigen Geflechten aus Politik und Wirtschaft besteht fĂŒr mich die Gefahr, dass sich die Industrie mit ihren Interessen am Ende tatsĂ€chlich durchsetzen könnte. Ich hielt es fĂŒr notwendig, dies einfach einmal zu hinterfragen. Der Bericht fĂŒhrte in Folge auch zu einer parlamentarischen Anfrage, auf deren Antworten ich bereits jetzt schon sehr gespannt bin.

Zeit & Zusammenarbeit
Ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte im Redaktionsalltag viel mehr Zeit, um solche Storys umzusetzen. Ich halte es fĂŒr unsere demokratische Gesellschaft wichtig, dass Journalisten nicht nur berichten, sondern auch Dinge hinterfragen. Paul Radu hat in seinem Workshop auch gesagt: “Journalisten, die effizient sein wollen, mĂŒssen arbeiten wie Kriminelle: in Netzwerken.” Liebe Kolleginnen und Kollegen da draußen, let’s do this! Get in touch.

Ich hab da mal eine LP veröffentlicht…

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Skandal: Ich bin nicht zum Bloggen ĂŒber mein eigenes LP-Release gekommen! Auch jetzt habe ich nicht wirklich Zeit, daher poste ich hier jetzt auch nur den Link zur Musik und den Pressetext zum Release und verweise euch auch auf das Interview, das ich “The Gap” gegeben habe. Dort gibt es auch: “meine persönlichen Top 3 der Do’s and Dont’s, wenn man seine PrivatsphĂ€re sehr gerne mag” zu lesen – also unbedingt auschecken! 

Aber jetzt zur We Killed Privacy LP!

Bei der Privacy Week in Wien, die Ende Oktober eine Woche lang in Wien stattfand, lief auch einer meiner Remixes und ich durfte am Panel “Die Querdenker, die Lauten und die Unbequemen” ein bisschen was ĂŒber meine Ansichten zu Kunst, Kultur und Aktivismus sowie die zeitnah erschienene LP beisteuern. Am Vortrag gab’s meinen Vortrag “Privacy Fails” (zu dem ich auch noch was bloggen will, stay tuned!).

privacy_week-panel-shroombab-jinxx

So und hier nun die HintergrĂŒnde zur LP in Form eines Pressetextes (daher der Wechsel vom “Ich” in die dritte Person):

Shroombab prĂ€sentiert die “We Killed Privacy Remix LP“ mit sieben Remixes von ihrem Song mit Kitsune in den Styles Breakbeat, Dub, Roots Reggae, Drum&Bass, Techno und Trap. Die LP ist seit 24. Oktober auf iTunes, Amazon, Deezer, Spotify & Co erhĂ€ltlich sein. Die Remixer sind namentlich: Kid Atari, Polarity, Alpha Roots Dub Project, Joachim Losehand, FreizeitlĂ€rm, Franjazzco & DMG. Die Werke stehen unter einer Creative Commons Lizenz (CC BY 3.0), was so viel bedeutet wie: Jeder kann die Remixes weiter remixen!

Musik mit Message
Shroombab hat 2015 das Projekt „Musik mit Message“ ins Leben gerufen. Dabei geht es darum, ganz bewusst Musik mit Aktivismus zu kombinieren, um Menschen ĂŒber Kunst- und Kulturprojekte auf gesellschaftlich relevante technologische Entwicklungen aufmerksam zu machen.

Das erste Thema, das der KĂŒnstlerin am Herzen liegt, ist dabei das Ende der PrivatsphĂ€re. Im Song, „We Killed Privacy“ geht es genau darum, wie wir selbst durch unsere Nutzung von technischen Gadgets herbeigefĂŒhrt haben. Der Spion Smartphone ist schließlich ĂŒberall dabei.

Remix-Aktion
Im FrĂŒhjahr 2016 hat Shroombab eine Remix-Aktion ausgeschrieben und auf diesem Weg sieben KĂŒnstler gefunden, die sich daran beteiligt haben. Kid Atari aus Berlin, Grafiker und Visual Designer, hat auch die Cover-Gestaltung ĂŒbernommen. Das Geld, das mit der „We Killed Privacy LP“ eingenommen wird, wird vollstĂ€ndig an BĂŒrgerrechtsorganisationen, die sich fĂŒr den Erhalt der PrivatsphĂ€re im Netz einsetzen, gespendet. Das sind im Konkreten folgende Organisationen: : AK Vorrat AT (Austria), C3W (Austria), quintessenz (Austria) feat. Big Brother Awards, Digitale Gesellschaft (DE), CCC (DE),  EDRi (Europe).

Warum ĂŒberhaupt etwas fĂŒr den Erhalt der PrivatsphĂ€re im Netz tun, beantwortet Shroombab mit einem Zitat von Shoshana Zuboff, Professorin an der Harvard Business School aus der FAZ: “Die bloße Tatsache des Überwachungskapitalismus löst Empörung aus, weil sie die WĂŒrde des Menschen verletzt. Die Zukunft dieses Narrativs wird abhĂ€ngen von den (
) empörten BĂŒrgern, die in dem Wissen agieren, dass Effizienz ohne Autonomie nicht effizient, aus AbhĂ€ngigkeit resultierende Folgebereitschaft kein Gesellschaftsvertrag und Freiheit von Ungewissheit keine Freiheit ist.”

Shroombab ĂŒbesetzt dieses Zitat folgendermaßen im Kontext ihres Projekts: „Wir mĂŒssen das Ende der PrivatsphĂ€re im Netz nicht einfach hinnehmen, sondern können als Gesellschaft mitbestimmen. Wir sind keine Geiseln der neuen Technologien, sondern wir selbst haben es in der Hand dafĂŒr sorgen, dass neue Technologien zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden, und nicht gegen uns!”

 

NaNoWriMo: Leider nicht (direkt) dabei…

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Anders als geplant kann ich doch nicht am #Nanowrimo teilnehmen. FĂŒr alle, die nicht wissen, was der #Nanowrimo ist: Es ist die AbkĂŒrzung fĂŒr National Writing Month. Und dahinter steckt eine Idee, im Monat November in relativ kurzer Zeit rund 50.000 Wörter zu schreiben. Einen Roman. Die meisten Autoren nutzen das, um den “first shitty draft” ihres neuen Buches zu verfassen.

Ich habe gerade erst den 350-Seiten-langen „first shitty draft“ meines Romans „Der Crash“ fertig gestellt, der auf seine Überarbeitung wartet. Das sind mehr als 50.000 Wörter (rund 80.000) und ich habe dafĂŒr fĂŒnf Wochen reine Schreibezeit gebraucht (ohne Plot-Entwicklung, Figuren, Ideenfindungsprozess etc). Mehr dazu erzĂ€hle ich euch gerne demnĂ€chst. Aber leider habe ich schon wieder eine Idee und Inspiration fĂŒr ein neues Werk, das ich gerne im Monat November mit all den anderen Autoren runter geschrieben hĂ€tte.

WĂ€re da nicht meine Arbeit als Journalistin. Auf die Wörteranzahl werde ich im Zuge meiner Arbeit wohl problemlos kommen – mit der tĂ€glichen Arbeit, die aber nicht nur aus schreiben besteht. In letzter Zeit hatte ich allerdings das GlĂŒck, mit wahnsinnig vielen, coolen Menschen ĂŒber so spannende Technologie-Themen der Zukunft sprechen zu können. Face 2 Face. Auf Konferenzen wie z.B. der Privacy Week, dem Business Riot Festival oder Mapping the Internet. AusfĂŒhrlich. Mit vielen Hintergrundinfos. Und ich kann es auch kaum erwarten, all diese BeitrĂ€ge dazu zu schreiben.

Da waren etwa darunter:

  • Die Psychologin und Profilerin Suzanne darĂŒber, warum drei Daten reichen, um alles ĂŒber einen rauszufinden, große Datensammlungen wie die der NSA nicht zielfĂŒhrend sind und wie man sich vor Psychopathen schĂŒtzen kann
  • Die Aktivistin und Forscherin Ksenia Ermoshina ĂŒber ihre Krypto-Forschung und Überwachung in Russland und Frankreich
  • Die GrĂŒnderin des ersten female Hackerspace in Wien, Stefanie Wuschitz ĂŒber Technik, Frauen und offene Technologien
  • Die Soziologin und Hackerin sva vom Chaos Computer Club Vorstand ĂŒber Pretty Easy Privacy als ErgĂ€nzung zu PGP fĂŒr E-Mail-VerschlĂŒsselung
  • Die Referentin Anne Roth vom NSA-Untersuchungsausschuss in Deutschland ĂŒber die BND-Geheimdienstreform in Deutschland
  • Die österreichische Professorin Silvia Lindnter von der US-UniversitĂ€t of Michigan ĂŒber die Maker-Szene in China und die Unterschiede bei Innovation aus Makerspaces in Europa
  • Der GNU Taler-Erfinder Christian Grothoff ĂŒber KryptowĂ€hrungen und das Open Source-elektronische Bezahlsystem GNU Taler
  • Der Linzer Professor Sonntag ĂŒber den TOR Exit Node an der Linzer Kepler-UniversitĂ€t
  • Der Sicherheitsforscher und Hacker starbug vom Chaos Computer Club ĂŒber unsichere biometrische Systeme wie FingerabdrĂŒcke und Gesichtserkennung (ok, das war kein ausfĂŒhrliches Interview, aber der Vortrag war grenzgenial)

I ❀ my job.

Blöderweise habe ich dank der Verschriftlichung meiner fĂŒr den Monat November ausstehenden Interview-Beitrags-Liste schon wieder eine neue Idee. Eigentlich weiß ich mittlerweile so viel ĂŒber PrivatsphĂ€re- und AnonymitĂ€ts-Alternativen, die gerade in Entwicklung sind und darĂŒber, wie man im Netz seine PrivatsphĂ€re schĂŒtzen kann, dass sich da auch ein Gesamt-Werk (eines, das man allerdings laufend adaptieren mĂŒsste und unter Creative Commons Lizenz stellen mĂŒsste, damit auch alle Zugang zu den Möglichkeiten haben) anbieten wĂŒrde.

Dilemma! Kann bitte jemand meinem Hirn sagen, es soll aufhören, neue Ideen zu fabrizieren, bevor die alten abgearbeitet sind? Geht es allen Kreativen da draußen so? Die Interviews btw. BeitrĂ€ge findet ihr hoffentlich alle demnĂ€chst auf der Website meines Arbeitsgebers. Ich werde mich bemĂŒhen, zumindest diese im Zuge des #NaNoWriMo niederzuschreiben.

Meine sonstigen #NaNoWriMo-Ideen bleiben leider (vorerst) auf der Strecke. Aber wer weiß, vielleicht schaffe ich doch zumindest eine Short Story. Oder einen Teil der Übearrbeitung von “Der Crash.” Auf jeden Fall: Toi toi toi allen Autoren, die es schaffen! 50.000 Wörter, you go, girls and guys!

PS: Ihr werdet hier zukĂŒnftig vermehrt BeitrĂ€ge lesen, die sich rund ums Schreiben eines Romans drehen. Folgt dem Tag “Writing a Novel“.

Scheiß Internet! Meine Wolo-Reden 2016.

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Am 17. September fand in Wien die Preisverleihung des “Wolfgang Lorenz Gedenkpreises” aka “Scheiß Internet”-Preis im Alten Rathaus in Wien statt. Gestiftet wird der “Wolo”, wie er von der Netzgemeinde genannt wird, vom KĂŒnstlerkollektiv monochrom. Gebacken wurde er dieses Jahr von Nicole. Meine beiden Laudatios will ich euch auch dieses Jahr nicht vorenthalten, auch wenn 2016 wer anderer gewonnen hat 🙂 Wir als Jury wĂ€hlten das internationale Olympische Komitee und das Publikum ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka.

Laudatio 1
Das Internet ist der Wilde Westen (Auflage 2016)

Es war einmal: Frau Sonja Steßl, geborene Grazerin, StaatssekretĂ€rin im Bundeskanzleramt. Von September 2014 bis Mai 2016 hatte sie dieses Amt inne. In dieser Zeitperiode wich der allseits beliebte Begriff „Cyber“ dem hipperen, weit weniger vorbelasteten Ausdruck „Digital“. Gemeint ist damit freilich alles, was mit dem Internet zu tun hat. Das Internet, das das gleicht laut Sonja Steßl aber noch dem „Wilden Westen.“ Deshalb braucht es „gemeinsame Regeln“, so die Politikerin.

Diese Regeln will man jetzt endlich festlegen. Es kann ja nicht sein, dass das Internet im Jahr 2016 noch immer so ein rechtsfreier Raum ist, wo jeder daher kommen kann und seine Meinung Ă€ußern. Sorry, das hat Frau Steßl jetzt nicht persönlich gesagt. Aber sie hat gemeinsam mit ihrem StaatssekretĂ€ren-Kollegen Harald Mahrer die Initiative „Digital Roadmap“ gestartet. Österreich braucht jetzt also einen digitalen Plan. Im Jahr 2016.

Diskutiert wurde dieser digitale Plan zu allererst unter der Schirmherrschaft auslĂ€ndischen Tech-Unternehmen. Von diesen ließen sich die beiden Politiker nĂ€mlich ihren „IKT-Event“ finanzieren. Oracle, ZTE, HP, 3, Atos, SAP und Microsoft, um nur einige der Mitglieder der „Internet Offensive Österreichs“ zu nennen, haben die Veranstaltung ausgerichtet, bei der der digitale Masterplan fĂŒr die österreichische Zukunft besprochen werden sollte.

Vor Ort fielen in der Pressekonferenz dann buzzwordartige SĂ€tze wie „Cybermobbing. Hasspostings. Das Internet ist der Wilde Westen.“ Ach das hatten wir ja schon. Vor kamen auch so SĂ€tze wie „Das Internet of Things ist aus dem Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken“. „Österreich muss ein wettbewerbsfĂ€higer Digitalstandort werden.“ „Zukunftssichere Jobs zu schaffen bedeutet, den digitalen Zug zu lenken, und nicht im Waggon hinten drinnen zu sitzen.“ Eine Journalisten-Kollegin merkte nach der Pressekonferenz etwas ratlos an: „Jetzt kann ich mir absolut nichts darunter vorstellen, wie Österreich in seine digitale Zukunft starten soll.“

Nach dem von der IT-Wirtschaft gesponsorten Event startete ĂŒbrigens eine auch „Online-Konsultation“. Bei der sollte nun auch die „breite Bevölkerung“ eine Stimme bekommen und mitdiskutieren. Nach der Floskel-Flut beim Event ließ aber auch das Kommentarsystem zu wĂŒnschen ĂŒbrig und glĂ€nzte mehr durch UnĂŒbersichtlichkeit als durch Nutzerfreundlichkeit. Sich durch ein mehr als hundertseitiges Dokument zu scrollen, das laut dem Bullshit-Generator den Bullshit-Highscore mit 142 von 100 Punkten deutlich ĂŒbertroffen hatte, ist fĂŒr eine „breite Bevölkerung“ wohl zudem mehr Bestrafung als Freude.

Geschehen ist bis jetzt ĂŒbrigens: Nichts. FĂŒr den digitalen Plan Österreichs heißt es derzeit: „Bitte warten“. Das Internet darf also doch noch ein wenig „Wilder Westen“ sein. Oder ein wenig „Blase“, wie die Ex-StaatssekretĂ€rin auch mal so erwĂ€hnt hat. „Anonym nutze ich auch Twitter, ich will schließlich wissen, was die Blase denkt.“ Was Steßl jetzt ĂŒbrigens so macht? Sie ist leitet die Sparte der Krankenversicherungen bei der Wiener StĂ€dtischen mit rund 650.000 Kunden.

Nominiert sind Sonja Steßl (SPÖ) und Harald Mahrer (ÖVP) fĂŒr den Versuch, einen digitalen Plan fĂŒr Österreich zu erstellen. Im Jahr 2016.

Laudatio 2
Ein Diktator gegen Memes

Erdowie, Erdowo, Erdogan. Ein Journalist der etwas verfasst, das Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast.“ Diese Zeilen stammen aus einem satirischen Videoclip, der im deutschen Fernsehen von extra 3 und dem Sender ARD ausgestrahlt wurde. Im Videoclip geht es um die autokratische MachtausĂŒbung und die zunehmende Internet- und Medien-Zensur des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten im Land, um die Abschaffung der Meinungs- und Pressefreiheit. Erdogan versteht allerdings so gar keinen Spaß, wenn es um seine Politik geht. Er hat schlichtweg den deutschen Botschafter ins Außenministerium bestellt und ihn dazu aufgefordert, das Video zu löschen.

So kam einmal mehr der Streisand-Effekt ins Spiel. Vom Streisand-Effekt spricht man dann, wenn jemand eine unliebsame Information mit unangemessen drastischen Mitteln unterdrĂŒcken will und so das Gegenteil erreicht. Der Videoclip wurde mehr als zehn Millionen Mal auf YouTube angeklickt und verbreitete sich im Netz in Windeseile weiter. Der Streisand-Effekt also.

Dann kam der 31. MĂ€rz 2016. An dem Tag trug Jan Böhmermann unter dem Titel SchmĂ€hkritik ein Gedicht ĂŒber den tĂŒrkischen PrĂ€sidenten vor. Darin nahm er auf das satirische Lied vom ARD Bezug. Seine SchmĂ€hkritik hatte andere Folgen als eine Beantragung zur Löschen des Videos: Sowohl die tĂŒrkische Regierung als auch Erdoğan selbst erstatteten Strafanzeige gegen Böhmermann. Am 15. April ermöglichte die deutsche Bundesregierung ein Ermittlungsverfahren gegen den Moderator wegen Beleidigung eines auslĂ€ndischen Staatschefs. Die Sache wurde zur StaatsaffĂ€re und Deutschland will jetzt in Folge ein veraltertes Gesetz, das ein derartiges Verfahren ĂŒberhaupt erst möglich macht, abschaffen.

Doch die Böhmermann-AffĂ€re ist gar nicht die erste ihrer Art. Der tĂŒrkische StaatsprĂ€sident hat sich bereits in der Vergangenheit als Ă€ußerst klagswĂŒtig gezeigt. Es muss gar kein SchmĂ€hgedicht vorliegen, ein einfaches Internet-Meme, das ihn bildlich mit der „Herr der Ringe“-Figur Gollum vergleicht, reicht. Der tĂŒrkische Arzt Bilgin Ciftci landete deshalb wegen „Beleidigung des PrĂ€sidenten“ vor Gericht. Seine Verteidigerin wußte sich nicht anders zu helfen, als Gollums Charaktereigenschaften durch SachverstĂ€ndige klĂ€ren zu lassen. Und da war er bereits zum ersten Mal, der Streisand-Effekt.

Das Gollum-Meme wurde immer beliebter und bekannter und verbreitete sich auch ĂŒber die Grenzen der TĂŒrkei hinweg. Eigentlich hĂ€tte Erdogan schon damals etwas draus lernen mĂŒssen: NĂ€mlich dass mit Kritik und Witz im Netz nicht einfach abdrehen kann. Aber er wollte ja nicht hören! Das hat er nun davon: Seit einigen Tagen stellt ein deutscher KĂŒnstler ein Werk aus, dass ihn mit einer Banane im Arsch zeigt. Das gibt’s auch im Internet zu sehen. Satire ist einfach ein Grundelement der demokratischen Kultur. Auch der tĂŒrkische StaatsprĂ€sident muss damit leben.

Nominiert ist Erdogan fĂŒr die EinschrĂ€nkung der Meinungsfreiheit ĂŒber LĂ€ndergrenzen hinweg, die scharfe Zensur seiner Kritiker im Land und seiner Intoleranz gegenĂŒber Satire.

Writers Retreat in Piran

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Es ist schon ziemlich kitschig: Ich sitze auf der Dachterrasse des Hotels Tartini und blicke auf den Hafen des kleinen KĂŒstenstĂ€dtchens Piran an der slowenischen Riviera. Es weht eine leichte Brise. Ich frage mich selbst: „Wie zur Hölle willst du bei dem traumhaften, idyllischen Set-Up auch nur einen vernĂŒnftigen Satz schreiben?“

Im kreisförmigen Hafen stehen zahlreiche, kleine Boote. Ich poste ein Foto davon auf Twitter und prompt kommt zurĂŒck, dass sich das Motiv doch blendend fĂŒr einen Thriller namens „Der Kreis der 13 Boote“ eignen wĂŒrde. Doch genug der Ablenkung von außen. Weil das WLAN in Piran mehr schlecht als recht funktioniert, kann ich mich dann doch recht gut konzentrieren.

Quantifizierung
55 Seiten meines Cyber-Krimis sind am Ende nach fĂŒnf Schreibtagen „Writers Retreat“ mit Ana Znidar auf der Dachterrasse des Hotels Tartini entstanden. Der Ort, an dem man dem Trubel, der in der Stadt sonst so herrscht, etwas entkommt, ist zu einem meiner LieblingsschreibplĂ€tze geworden. Bei der Quantifizierung unser Erlebnisse habe ich sonst noch vermerkt: 1 Kaffee getrunken, 4 Eis gegessen, 5 mal Schwimmen gewesen, jeden Tag Fisch gegessen. Kein Clustering erledigt. Ein paar Seiten Free Writing geschafft. Und an zwei Feedback-Runden teilgenommen.

WĂ€hrend meiner ersten Feedback-Runde, bei der ich aus einem Kapitel mit Fokus auf meine zwei Protagonisten – die Journalistin Stefanie und den Hacker Paul – vorlese, zieht ein Gewitter auf. Meine Lesung muss unterbrochen werden, weil eine Metall-Nachbildung des Piraner Wahrzeichen dank eines heftigen Windstoßes knapp davor ist, auf eine Schreib-Kollegin zu prallen und sie fast zu erschlagen.

Feedback und fast ein Mord dazu
Kaum fertig gelesen kommt eine Windböe, die ist so heftig, dass sĂ€mtliche handschriftliche Notizen, die am Tisch herumliegen, auf der Dachterrasse herum geweht werden und teils fĂŒr immer verloren sind. HĂ€tte die Metall-Tafel noch hinter meiner Kollegin gestanden, wĂ€re diese jetzt schwer verletzt oder gar tot. „Das wĂ€re gut fĂŒr die Auflage deines Krimis“, scherzt eine Teilnehmerin des Writers Retreats, die selbst an einem Krimi schreibt. Unser Humor ist also angepasst an unsere Werke. Und meines ist offenbar beinahe tödlich.

Eine Szene aus Piran habe ich am Ende doch noch eingebaut in die Krimi. Sie soll mich fĂŒr immer an diesen unsagbar mĂ€chtigen Schreibplatz erinnern. Und: Ich habe auch endlich das Ende im Kopf. „Stirbt eigentlich noch jemand?“ war die ausschlaggebende Frage einer Teilnehmerin. Was jetzt noch fehlt: 50 von insgesamt 350 Seiten. Aus Piran mit nehme ich vor allem eines: Viel Motivation. Und einen ganzen Haufen neuer Ideen. Eine wirklich tödliche Kombination!