Computersprache (Short Story)

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Hier folgt eine (frei erfundene) Geschichte, die von Flüchtlingen, Computern, Integration und Vorurteilen handelt. Sie trägt den Titel “Computersprache” und ich hatte sie ursprünglich für einen Literaturwettbewerb verfasst. Viel Spaß beim Lesen!

BEGINN.
Zu Besuch
„Und, hilft er wenigstens im Haushalt mit?“ Birgit seufzt. Diese Frage stellt ihr jeder, seit sie mit Arif einen 16-jährigen syrischen Flüchtling bei sich aufgenommen hat. Die Skepsis, die ihr entgegen schlägt, kommt von allen Seiten. Von ihrer eigenen Familie erfährt sie diese genauso wie von Arbeitskollegen oder Nachbarn.

Am Anfang war der Tenor auf ihr Engagement noch sehr positiv, aber nachdem sich die Medienberichterstattung seit den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht im Jahr 2015 völlig gewandelt hatte, ist nicht mehr viel übrig geblieben von der Nächstenliebe und dem sozialen Denken.

„Hast du nichts von dem Mädchen gehört, das von ihrem Flüchtling vergewaltigt und danach erschlagen wurde? Hast du keine Angst, dass dir das auch passieren könnte?“

Nicht alle Geschichten, die erzählt werden, sind Vorurteile oder Lügen. Manches davon ist auch wahr. Aber Birgit hat keine Angst. Sie braucht Arif nur in die Augen zu sehen, um zu wissen, dass in ihm eine gute Seele steckt. Sie glaubt nicht daran, dass ihr Arif jemals eine Falle stellen könnte.

„Nein, er hilft nicht mit im Haushalt. Er sitzt die meiste Zeit herum und starrt auf sein Handy. Sein einziger Freund ist zwei Stunden entfernt von uns in Wien. Arif sitzt dagegen bei mir Vorort vor Linz fest und hat den ganzen Tag nichts zu tun“, sagt Birgit.

Die junge Mutter ist stets ehrlich, wenn die Familie sie nach Arif fragt. Nur bei den Menschen, die sie auf der Straße auf ihren Hausgast ansprechen, zuckt sie auf solche Fragen lediglich mit den Schultern.

„Ja lernt er denn kein Deutsch?“
„Der nächste freie Kurs ist im Herbst.“
„Spielt er mit deinen Kindern?“
„Eher selten. Er ist sehr nach innen gekehrt.“
„Das macht dir keine Sorgen?“
„Nein. Er hat viel durchgemacht. Man muss ihm Zeit geben.“
„Schreibt er auf arabisch?“
„Ja, das ist seine Muttersprache.“

Die Fragen enden schnell. Die Familienmitglieder tauschen ein paar sorgenvolle Blicke untereinander aus. Das Thema wird gewechselt. Niemand will Birgit ihr Engagement ausreden, aber Bewunderung erntet sie dafür auch keine. Die Skepsis bleibt.

Zu Hause
Arif sitzt in seinem Zimmer und schreibt mit seinem Freund Hassan Nachrichten am Smartphone hin und her. Hassan erzählt ihm, dass er gestern im Park Fußball spielen war mit anderen Buben aus Syrien. Sie hatten dafür endlich einen echten, runden Ball verwendet und kein selbstgefertigte Kugel, die sie aus alten Lebensmittelkartons gebastelt hatten. Es hat Spaß gemacht, schreibt Hassan. Arif lächelt. Er freut sich für seinen Freund, den er vergangene Woche in Wien besuchen war. Birgit fährt alle zwei Wochen mit ihm nach Wien, damit sich die beiden treffen können. Arif ist ihr dafür unendlich dankbar.

Hassan ist sein einziger Freund aus Syrien. Er hat es ebenfalls bis nach Österreich geschafft. Hassan ist die letzte Verbindung zu Arifs Heimat. Ohne Hassan wäre er ganz alleine auf dieser Welt. Mit Hassan spielte er schon, als sie beide noch ganz klein waren. Wenn Arif Hassan sieht, erinnert er sich an den Staub auf den Straßen, den sie aufgewirbelt hatten, als sie Ball spielten. Oder an den süßen Geruch von Kuchen, den sie gemeinsam aus dem Ofen von Hassans Großmama gestohlen hatten, kurz bevor er fertig gebacken war.

Plötzlich stürmt Birgits kleiner Sohn, der achtjährige Martin, ins Zimmer. Er öffnet die Tür ungefragt. Arif zuckt zusammen. Sofort fühlt er sich zurück gesetzt in eine Stadt, die niedergebombt wurde. Nicht nur eine Rakete ist direkt im Nachbarhaus eingeschlagen. Arif hat viele Leichen gesehen. Und er hat ständig Angst, dass auch hier plötzlich eine Rakete neben ihm einschlagen könnte. Sein Trauma sitzt tief.

„Arif, willst du mir helfen? Schau, was wir meine Tante geschenkt hat! Einen kleinen Computer zum Basteln!“

Martin versteht nicht, dass Arif seine Sprache nicht kann. Er spricht mit ihm trotzdem Deutsch und Arif tut auch immer so, als würde er es verstehen. Er will den kleinen Buben nicht enttäuschen. Auch dieses Mal nicht. Doch als Arif dieses Mal aufblickt beginnen seine Augen zu leuchten.

Arif sieht, dass Martin einen kleinen Raspberry Pi in seinen Händen hält. Der Raspberry Pi ist ein billiger Einplatinencomputer ohne Gehäuse, von dem bereits mehr als sieben Millionen Geräte weltweit verkauft worden sind – auch nach Syrien. Arif hatte vor ein paar Jahren auf dem Raspberry Pi das Programmieren gelernt. Es war der einzige Computer, den er je besessen hatte. Er bastelte damals auch selbst eine Hülle für das Teil. Und lernte die Programmiersprache Python.

Arif beugt sich zum kleinen Martin herab und nimmt ihm behutsam die Platine aus der Hand. Gemeinsam geht er mit dem Jungen in sein Zimmer, um sie dort für ihn zu verkabeln, am Bildschirm anzustecken, das Betriebssystem zu installieren und in Betrieb zu nehmen. Als der kleine Computer zu surren anfängt und läuft freut sich Martin und klatscht.

„Ja, du hast es geschafft. Danke!“

Ein paar Stunden später sitzen die beiden noch immer gemeinsam vor dem Bildschirm. Arif hat damit begonnen, den Raspberry Pi mit einfachen Befehlen dazu zu bringen, Songs, die Martin gefallen, abzuspielen. Als Birgit das Zimmer betritt, sieht sie sofort, dass sich etwas geändert hat. Bei Arif und Martin. Sie sieht Arifs Begeisterung, sein Strahlen in den Augen. Er blickt konzentriert auf den Bildschirm und seine Finger bewegen sich blitzschnell über die angeschlossene Tastatur. Sie sieht auch die Freude in Martins Augen und den Stolz auf ihren Hausgast.

„Mama, Mama, Arif ist ein Computergenie! Er hat das neue Gerät von Tante Greta zum Laufen gebracht. Und schau, es spielt Helene Fischer ab!“
„Das ist ganz toll, Martin.“

Arif schreibt Martin ein Programm, das ein einfaches Ping-Pong-Spiel mit dem Lieblingssong des Jungen sowie den Figuren aus dem offiziellen YouTube-Video kombiniert. Der kleine Bub umarmt ihn. Arif lässt die Nähe zu. Er zuckt nicht weg und er lächelt. Es scheint ihm gut zu tun. Noch nie zuvor hatte Birgit den syrischen jungen Mann lächeln sehen, außer wenn er mit seinem Freund Hassan gespielt hat. Die Mutter ist beeindruckt. Der zuvor so verloren wirkende 18-Jährige blüht dank des Computers regelrecht auf.

Neben Arabisch beherrscht Arif also noch anderen Sprachen fließend. Sprachen, mit denen sie nicht gerechnet hatte. Programmier- und Auszeichnungssprachen wie Python, Java und HTML.

Birgit erkundigt sich im Dorf, ob jemand Arifs Fähigkeiten gebrauchen kann. Dann würde sich Arif vielleicht ein wenig nützlicher vorkommen, denkt sie. Und ihr Plan geht auf. Arif programmiert dem Bäcker seine Webseite. Zum Dank bringt er jetzt jeden Morgen frische Croissants vorbei und winkt Arif zu. Arif winkt zurück und lächelt.

Zu Besuch
Als Birgit das nächste Mal gefragt wird, ob „ihr Flüchtling“ denn mittlerweile im Haushalt mithelfe, antwortet sie: „Nein, aber programmiert meinem Sohn fast jeden Tag ein neues Spiel. Und dem Bäcker die Webseite. Und dem Schuster hat er dabei geholfen, seinen Rechner neu aufzusetzen.“

Schweigen und Staunen. Keiner weiß, was er darauf sagen soll.

„Arif ist ein Computergenie“, sagt Birgit. „Er spricht viele Sprachen. Programmiersprachen. Aber auch sein Deutsch wird immer besser. Weil er den Drucker des Lehrers wieder zum Laufen gebracht hat, unterrichtet ihn dieser jetzt einmal pro Woche kostenlos. Er ist Arif so dankbar, weil er sich mit dem Gerät davor schon seit Monaten herumgeärgert hat. Und Martin ist auch ganz begeistert. Er hilft Arif jetzt ebenfalls beim Deutschlernen. Danach darf er immer seine frisch programmierten Spiele auf dem Raspberry Pi spielen, den du ihm geschenkt hast, Greta.“

„Hoffentlich sind das keine Killer-Spiele?“

„Doch, eines heißt sogar ‘Fallen’, also, falls es um dein Englisch nicht so gut bestellt sein sollte, das heißt: ‘gefallen’. Da geht es darum, ängstliche Tanten und Omas abzuschießen. Das wolltet ihr doch hören, oder?“

Entsetzte Blicke und Stille. Birgit seufzt. Ihr Sarkasmus steigt automatisch mit dem Grad an Dummheit. Manche, denkt sich die junge Mutter, lernen’s einfach nie.
ENDE.

 

Mein Vortrag zum Thema Privatsphäre und Gleichheit im Netz mit zahlreichen Tipps und Tricks

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Im Mai 2016 luden mich Magdalena Reiter und Stefan Pawel für einen Vortrag zum Thema “Sind Privatsphäre und Gleichheit im Netz bedroht?” nach Linz zum Open Commons Kongress in den Wissensturm ein. Der 30-minütige Vortrag wurde als Video-Stream von dorftv aufgezeichnet und kann jetzt nachgesehen werden:

//www.dorftv.at/embed/24944

Zum Inhalt:
„Wer die Daten hat, hat die Macht.“ Dieses Zitat des Wiener Filmemachers Werner Boote fasst ein Dilemma zusammen, das sich seit Jahren zuspitzt: Mit Google, Amazon oder Facebook bestimmen US-Konzerne, welche Inhalte wir im Internet zu Gesicht bekommen und damit bestimmen sie auch den Blick auf unsere Welt.

Mit Internet.org hat Facebook in Schwellenländern ein Projekt am Start, das darüber entscheidet, was Millionen von Menschen als „kostenloses Grundangebot im Netz“ zu sehen bekommen. Doch sollte das wirklich ein Konzern bestimmen?

Hinzu kommt, dass wir bei jedem Klick im Netz Spuren hinterlassen, die Rückschlüsse auf unsere Persönlichkeit und Vorlieben zulassen. Die User werden zum Produkt. Wie wir uns die Macht über unsere Daten (teilweise) zurückerobern können – und warum wir das nicht (nur) der Politik überlassen sollten.

Was können wir tun?
+ Open Hardware
+ Open Software
+ Unterstützt Open Source-Projekte
+ Arbeitet an Wikipedia mit
+ Nutzt Open Street Map statt Google Maps
+ Setzt Creative Commons Lizenzen ein
+ Clicktivism hilft, um Konzerne bei kundenfeindlichen Entscheidungen zum Zurückrudern zu bewegen
+ Bei (Online-)Partizipationen mitmachen und mitbestimmen
+ NGOs wie z.B. EDRi oder AK Vorrat unterstützen
+ Selbst Tools entwickeln und einsetzen, die Privatsphäre im Netz schützen
+ Privacy By Design-Entwicklungen fördern
+ Datenschutz und IT-Sicherheit von Anfang an mitdenken bei der Entwicklung weil: Auch Entwickler müssen die Verantwortung übernehmen für das, was sie tun

+ Anonym surfen und suchen:
TOR-Browser verwenden
Suchmaschinen wie DuckDuckGo oder IXQuick/StartPage verwenden
+ Speichern und Mailen:
Statt Google Drive auf heimische Cloud-Dienste setzen, die Daten nicht in die USA übertragen oder einen eigenen Server aufsetzen und Herr und Frau seiner Daten bleiben.
Europäische E-Mail-Alternativen zu Gmail oder Yahoo verwenden
+ Verschlüsseln:
Mails mit Pretty Good Privacy (PGP)
Am Smartphone: Messenger wie Signal einsetzen und nicht WhatsApp
Schön, dass WhatsApp jetzt verschlüsselt, aber: Metadaten! Aufpassen.

+ Nicht verzweifeln!
+ Organisieren, netzwerken und treffen
in Wien z.B. Netzpolitischer Abend AT (nächster Termin im September im Metalab) oder C3W (Chaos Computer Club Wien)

Kleiner Tipp am Rande: Das an Möglichkeiten aussuchen, das ihr wirklich umsetzen könnt. Nicht überfordern. Weil: IT-Security-Maßnahmen können nur dann funktionieren, wenn sie zur Gewohnheit werden. Es bringt z.B. nichts, Signal zu installieren und dann weiter WhatsApp zu verwenden!

Remix! No Excuses!

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GERMAN:

Liebe Musik-Produzentinnen und Produzenten unter euch: Es wäre mir eine große, große Freude, wenn ihr euch an der Remix-Aktion beteiligen würdet. Es geht wieder einmal um eine gute Sache. Beim Projekt “Bass of Hope” bin ich auf den Geschmack gekommen, Musik als Ventil zu verwenden, um jemandem zu helfen oder etwas zu unterstützen, das einem am Herzen liegt. Und damit gleichzeitig den Menschen eine Freude zu machen, die der Musik, dann am Ende tatsächlich lauschen. Also eine klassische “Win-Win-Situation”, würde ich es mit Floskeln ausdrücken wollen 😀

Wie ihr wisst, liegen mir gewisse Themen am Herzen. Unter anderem das Thema des Songs “We Killed Privacy”. Dazu habe ich wekilledprivacy.org ins Leben gerufen – eine eigene Website für dieses Projekt, über die sämtliche Remix-Beiträge gesammelt werden sollen – ebenso wie eure Geschichten rund ums Remixen oder eure Gefühle, Motivation, etc. bei der Entstehung.

Warum etwas tun, beantworte ich nun mit einem Zitat von Shoshana Zuboff, Professorin an der Harvard Business School aus der FAZ: “Die bloße Tatsache des Überwachungskapitalismus löst Empörung aus, weil sie die Würde des Menschen verletzt. Die Zukunft dieses Narrativs wird abhängen von den (…) empörten Bürgern, die in dem Wissen agieren, dass Effizienz ohne Autonomie nicht effizient, aus Abhängigkeit resultierende Folgebereitschaft kein Gesellschaftsvertrag und Freiheit von Ungewissheit keine Freiheit ist.”

Sonstiges, das es zu sagen gibt: Ihr könnt euren Style ausleben, es gibt keine Grenzen. Die Frist läuft bis Ende Juli 2016 (Update: Ende Juli statt Ende Juni).  Also “keine Zeit” ist keine Ausrede!!!

ENGLISH:

Dear music producers, it would be a huge pleasure if you would contribute your remix. I am not sure if you heard of “Bass of Hope“, a project I did together with Ira to help people who help refugees (a little bit meta, I know) with a music compilation and a party. I used music as a ventile to do something good – and help. On the other side, people who have the chance to listen to the music, are also delighted by what they hear. Music has so much power! Therefore this is a win-win-situation for everbody, to emphazise this with a phrase.

Therefore I started the project website wekilledprivacy.org. It is all about the end of privacy that we supported ourselves through our behaviour within the internet and the usage of technical gadgets like smartphones that we carry around all the time. It is not our fault that we are in the situation that we are nowadays, but we should not destroy what is left just out of convenience.

Why engage? Please read this short text passage from Shoshana Zuboff, professor at Harvard Business School for FAZ.  “The bare facts of surveillance capitalism necessarily arouse my indignation because they demean human dignity. The future of this narrative will depend upon (…) indignant citizens who act in the knowledge that effectiveness without autonomy is not effective, dependency-induced compliance is no social contract, and freedom from uncertainty is no freedom.”

What else to say? You can strictly do the remix in your own style, there are no limits. The deadline is end of june. So “no time” is no excuse! Spread & take part!

DJ Storys. Und alte Flyer.

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Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich zwischen 2002 und 2010 recht fleißig als DJ quer durch ganz Europa getoured bin. Ich war eigentlich fast immer als Headlinerin oder Co-Headliner gebucht auf den Partys, auf denen ich gespielt habe.

Ich habe dabei viel erlebt – in Tschechien habe ich nach der Party in einem Stundenhotel übernachtet, in Russland ist mein Fahrer am Weg zum Club fast eingeschlafen, in Rumänien bin ich mit dem Zug durch das verschneite Land gereist, in Paris habe ich auf einem Schiff gespielt, dass die ganze Zeit gewackelt hat und ich fast seekrank wurde während dem Set, und in Deutschland haben mich die Veranstalter mal direkt über den Sub-Bass-Boxen platziert, so dass ich schon beim ersten Übergang fast kotzen musste, weil die Vibrationen so heftig waren.

Ansonsten war auch alles dabei, was man sich von einem DJ-Leben erwartet – von Sex, Drugs & Drum’n’Bass – wobei der Drum&Bass bei weitem dominiert hat (zu 99,99999999 Prozent). Drum’n’Bass hat die Angewohnheit, Menschen anzuziehen, die tatsächlich wegen der Musik auf eine Party gehen. “It’s all about the music” – dieser Spruch gilt für kaum eine andere Szene so sehr wie für die Drum’n’Bass-Szene. Deswegen habe ich meine DJ-Touren durch Europa geliebt und es kam immer sehr viel zurück von der Crowd, so dass ich, obwohl ich meist sehr wenig Schlaf abgekriegt habe, immer mehr Energie getankt habe, als verloren.

Jetzt – 10 bis 15 Jahre später – habe ich den nötigen Abstand, um mich diesen Erlebnissen schreiberisch zu nähern, sie zu reflektieren, mich zu erinnern – und diese Erinnerungen auch zu teilen. Und das tue ich jetzt auf meiner Facebook-Fanpage. Alle, die lesen wollen, was ich so erlebt habe auf meinen Reisen durch Europa (und keine Sorge, die Storys  handeln nicht nur von Drum’n’Bass), oder einfach nur die alten Flyer betrachten wollen von Partys, die in fremde Länder führen – schaut vorbei. Für alle Facebook-Verweigerer: Irgendwann wird es dazu auch eine E-Book-Version geben, ich versprech’s.

PS: Das ist nur eines meiner Neben-Projekte. In der restlichen Freizeit schreibe ich nach wie vor an meinem (hoffentlich spannenden) Tech-Thriller, der noch 2016 fertig wird und der gute Fortschritte macht!

PS 2: Wer von euch alte Flyer hat von Partys, auf denen ich aufgelegt habe, – nur her damit!

PS 3: Die “DJ Storys” erscheinen alle ausschließlich auf Englisch – ich will auch, dass sie von den jeweiligen Menschen in den jeweiligen Ländern, deren Partys ich besucht habe, verstanden werden. Auch sie sollen was von der Erinnerung haben! Die ersten haben sich schon wahnsinnig darüber gefreut 🙂

Mein erster netzpolitischer Talk

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Netzpolitik verfolgt mich beruflich bedingt seit mindestens sieben Jahren, oder anders rum: Ich verfolge Netzpolitik seit diesem Zeitraum. Für futurezone.at habe ich dazu mehrere hundert Artikel verfasst (die genaue Zahl lässt sich trotz Tag Cloud schwer eruieren). 2016 habe ich beschlossen: Es wird Zeit, mein Wissen auch über andere Wege weiterzugeben – nach dem Motto “free my knowledge”. So nun zum ersten Mal als Speakerin geschehen am 2. Netzpolitischen Abend im Wiener Metalab am 15. Jänner 2016.

Auf dem Weg zum gläsernen Passagier

Das Thema Vorratsdatenspeicherung von Fluggastdaten in der EU liegt mir besonders am Herzen, weil es alle Flugreisenden gleichermaßen betrifft (und Flugreisen sind heutzutage kein Luxus mehr). Menschen werden pauschal verdächtigt und Daten für einen langen Zeitraum, fünfeinhalb Jahre, gespeichert.

Aber das Thema ist noch aus einem anderen Grund besonders interessant: Anhand der Fluggastdatenspeicherung lässt sich die Spirale “Terrorismus – Angst – Reaktion – wir brauchen mehr Überwachung”, die sich nach den zweifachen Anschlägen in Paris abgespielt hat, besonders gut nachvollziehen. In meinem Talk nenne ich es die “Terror-Timeline” und hinterfrage, ob ein Mehr an pauschaler Überwachung den Terrorismus wirklich stoppen wird (also nein, eher nicht).

Das wird hier jetzt aber keine Nacherzählung meinerseits, sondern nur ein Hinweis: Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ihr könnt ihn euch ansehen oder anhören (ich empfehlen ansehen, weil auch Slides dabei sind).

Sonst noch zu sagen:

Hinweis

Die netzpolitischen Abende in Wien gibt es seit Anfang Dezember 2015 übrigens regelmäßig. Nach dem Vorbild der netzpolitischen Abende des deutschen Digitale Gesellschaft e. V. treffen sich in Wien am ersten Donnerstag im Monat im Wiener Metalab Interessierte. Also – wir beißen nicht – wer das nächste Mal kommen mag: 4. Februar 2016! Hashtag, um via Twitter am Laufenden zu bleiben, ist #NetzPAT.

Warum es ohne Inspiration nicht geht…

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Einen Roman schreiben. Diesen Wunsch schleppe ich bereits seit Jahren mit mir herum. Ich hatte schon viele Ideen, die ich nach einiger Zeit wieder verworfen habe. Weil sie nicht gut genug waren. Weil es nicht der richtige Zeitpunkt war. Weil ich keine Energie hatte, sie umzusetzen. Doch jetzt ist alles anders. Ich ließ diesen Sommer all meine alten Roman-Ideen los, denn nur so konnte ich Platz schaffen für Neues.

Es hat nur zwei Tage gedauert – und dann war sie plötzlich da: Die Idee, die jetzt von mir umgesetzt wird. Weil sie die richtige ist. Und weil jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Am 15. Juli war es soweit. Ein Gespräch im Alten AKH an einem lauen Sommernachmittag hat mich so inspiriert, dass ich in der Nacht danach um vier Uhr früh aufgewacht, wie ein Pfeil hochgeschossen aus dem Bett und zum Notizblock gehastet bin, nur um gleich niederzuschreiben, was mir in den Sinn kam.

In den nächsten Wochen habe ich die Idee weiter verfeinert, an der Handlung gearbeitet, habe mich mit Juristen getroffen, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für meinen Thriller – ja, es wird spannend – und ja, es hat viel mit Technik, Internet der Dinge und Überwachung zu tun – abzustecken. Aber die Charaktere, die wollten einfach nicht flutschen. Mir sind wochenlang keine Namen eingefallen für die Hauptfiguren, ich sah die Figuren nicht vor mir.

Die Handlung steht also schon lange fest, aber ein guter Thriller lebt von seinen Charakteren und nicht nur vom Plot. Ein paar Monate sind vergangen, zwischenzeitlich habe ich mich #BassofHope gewidmet, um mich abzulenken und meine Fähigkeiten für Menschen einzusetzen, die sie jetzt gerade wirklich brauchen. Und plötzlich machte alles einen Sinn, was mir in diesen Monaten der kreativen Buch-Durststrecke alles passiert ist.

Ich musste in dieser Zeit für viele Dinge kämpfen. Beispielsweise dafür, dass mir als Journalistin von gewissen Personen der Respekt entgegen gebracht wird, den ich verdiene. Außerdem habe ich in der Zeit viel reflektiert. Etwa darüber, ob und wie Journalismus und Aktivismus zusammenspielen können. In der Zeit habe ich Menschen kennengelernt, die mich weiter inspiriert haben. Bis zum 4. Dezember wußte ich nicht, wofür die Durststrecke wirklich gut war. Aber dann… lag es wieder an der Begegnung mit einem Menschen.

Plötzlich flutschte es. Die Namen für meine Figuren war geboren – ohne legliche Anstrengung meinerseits. Und ich kann die Figuren klar visualisieren. Ich weiß wie sie aussehen, ich kann ihre Dialoge hören, die ich schreiben werde. Ich kenne ihre Agenda und ich weiß, was sie alles durchmachen werden. Die Charaktere für mein Buch lagen von einem Tag auf dem anderen (genauer gesagt passierte es wieder um vier Uhr früh, scheinbar eine magische Zeit) so klar vor mir, wie noch nie zuvor. Ergo: Jetzt geht es endlich los und es wird mich nichts mehr aufhalten.

In Kürze brauche ich sie also wirklich, die ersten Testleser (schreibt mir an shroombab@gmx.at, wenn ihr Interesse habt), die ich bereits voller Enthusiasmus im Sommer gesucht habe. Und die Erfahrungen anderer Autoren – Ist etwa zu erwarten, dass meine Charaktere eine Art Eigenleben entwickeln werden? Und wenn ja – wie geht man damit am besten um? Lasst es mich wissen, ich freu mich über euren Input.

 

Bass of Hope

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Diese Woche war äußerst ereignisreich: Nach exakt zwei Monaten Arbeit (die Idee zum Sampler entstand rund um den 6. Oktober) haben Ira & ich unsere fertige Bass of Hope Compilation veröffentlicht! Offiziell vorgestellt haben wir unser Projekt, mit dem wir Train of Hope unterstützen möchten, diese Woche am Montag auf Radio FM4. Was wir mit Moderatorin Esther Chapo über unser Projekt geplaudert haben, könnt ihr hier nachhören:

Unsere #BassofHope-Compilation mit jazzigem Drum’n’Bass, deepen House, verstrahltem Minimal, psychedelischem Goa und PsyTrance, fetten Electro-Swing-Beats, gemütlichen Dub-Vibes, straightem Techno, ein wenig Noise u.v.a. gibt’s jetzt jedenfalls zu einem ziemlich günstigen Preis auf iTunes, Spotify und Amazon Downloads.

Eigentlich ist für jeden was dabei, der elektronische Musik nicht gänzlich hasst, – hört rein – und unterstützt uns beim Helfen der Helfer aus der Zivilgesellschaft – die diese Woche übrigens den Menschenrechtspreis 2015 gewonnen haben. Congrats an dieser Stelle!

Über die Entstehungsgeschichte meines eigenen musikalischen Werkes “Train of Hope”, das ich zur Compilation beigetragen habe, hab ich ja an anderer Stelle schon einmal gebloggt. Hiermit danke ich noch einmal allen, die mitgewirkt haben und mir ihre Stimme geschenkt haben, aufs Herzlichste!

Am 19.12. gibt es übrigens bei der offiziellen BassofHope-Party im The Loft die Gelegenheit, unsere Compilation als Geschenkebox zu erwerben und für den guten Zweck zu feiern: Alle Einnahmen, die an dem Abend erzielt werden, werden ebenfalls Train of Hope zur Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt. Ich persönlich werde den Abend aber in Salzburg hinter den Turntables verbringen, denn da gibt es mit WeFugees – Tanz für Toleranz ebenfalls einen Charity-Event mit Bass of Hope-Künstlern. wefugees

Mein Interesse für Technik

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Ich werde immer wieder gefragt, wie ich denn (als Frau) eigentlich zum Technik- und Netzpolitik-Journalismus komme und wieso mich das eigentlich interessiert, das sei ja doch “sehr ungewöhnlich”.

Meine Antwort darauf überrascht dann doch die meisten: “Ganz einfach”, erzähl ich ihnen. “Als ich 1998 auf die Uni kam, entdeckte ich das Internet. Und las alle Bücher über den Cyberspace (damals war das noch die gängige Bezeichnung), die ich in die Hand kriegen konnte. Und trieb mich in Newsgroups herum und lernte Leute in New York oder Budapest kennen, die mich wenige Monate später besuchten und vice versa. Und hatte mehr als 10.000 Myspace-Fans.”

An der Uni erforschte ich außerdem, wie man mit “neuen Kommunikationstechnologien” wie SMS (!) und E-Mail-Newslettern politischen Aktivismus in Gang setzen konnte (Erinnert sich noch wer an die Demos gegen Schwarz-Blau damals? Die waren Teil meiner Forschungsarbeiten). Und in meiner Diplomarbeit ging es um DJ-Kultur in “Neuen Medien” (damals hieß das noch nicht Social Media). Von Online-Radios bis hin zu Plattformen wie MySpace kam alles drin vor.

Zur selben Zeit lernte ich aber auch die Kunst des Samplens und Sequencings am Computer. Learning by doing. Ich benutzte den Computer, um damit Musik zu machen. Ohne Scheuklappen. Und mit dem Sequencer arbeiten ist so ähnlich wie programmieren, nur dass man dabei ohne Codezeilen auskommt. “Mein Interesse für die Dinge, kommen also aus der Praxis”, sag ich dann meistens noch.

Die meisten Menschen sind dann beeindruckt. Für mich aber ist das ganz normal. Schreiben & Technik sind für mich die zwei selbstverständlichsten Dinge im Leben. Und ich wünschte, das würde im Jahr 2015 für Frauen nicht mehr als “ungewöhnlich” gelten.

Train of Hope: The story behind the song

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My new song has a very special story. As some of you might know, the initiative Train of Hope was founded, when suddenly thousands of refugees arrived unexpectedly at the train stations in Vienna in the summer month of this year. Many people started to help. The help was mainly organized by the civil society and people over the internet and social media. As an online journalist who writes about social media & activism and music producer, I thought that I want to make my own contribution – in terms of music.

My musical project
For my song Train of Hope I collected 40 voices from people all around the internet & offline – from fans, co-workers, workshop coordinators, trainees, teachers, it-specialists, project managers, radio journalists, programmers, computer nerds, students of informatics & other subjects, my twitter followers, ceos, mums, dads – and even a child contributed to my project. trainofhope-von-sarah-gemalt-mitsarah-

Little Sarah, nearly 8 years old. I was very impressed by her voice and her engagement and her talent! I loved her contribution, so you can hear her more than one time in my song. And Sarah – who was one of the first who was allowed to hear my finished song – was so thankful. She sent me a drawing of her with Train of Hope after listening to my song. I was impressed one more time!

From my heart
For me, recording the song Train of Hope was a heart project. It is my contribution to help in the current situation that Europe has to live with. And my statement in favor for more humanity and less hatred.

Bass of HopeCD_Cover_BassofHope_120x120_preview_flyer(1)
Train of Hope is my contribution to the album sampler Bass of Hope which I compile together with Ira Federspiel from the social media team of Train of Hope. It will be the first single, 19 other artists and 1h 45 minutes of electronic music are part of it. You can expect some bangers alongside chill-out sound and a lot of psy. All we earn with selling the compilation, will be given to the Train of Hope team to help refugees in Austria. Release Date: December 1st! I will blog more on that project soon.

“Scheiß Internet”-Preis: Die Nominierungsrede für Günther Oettinger

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Gegen das “Scheiß-Internet”, in das sich die jungen Menschen “verkriechen” statt gegen herrschende Strukturen zu protestieren, polterte im Herbst 2008 der damalige ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz auf einem Grazer Diskussionspodium. Auch 2015 können technologiefeindliche Grantler und Grantlerinnen noch immer mit ihren Fehleinschätzungen im öffentlichen Diskurs punkten. Somit wurde auch dieses Jahr wieder der “Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreises für internetfreie Minuten” vergeben.

Der Preis wird gestiftet und organisiert vom Wiener KünstlerInnen-Kollektiv monochrom. Das Künster-Kollektiv beauftragt jedes Jahr eine Fachjury, um geeignete Kandidatinnen und Kandidaten auszuwählen. Der Preis wurde nun am Samstag offiziell vergeben und es gibt auch einen Mitschnitt des gesamten Events im Alten Wiener Rathaus mit allen witzig-satirisch, pfeffrigen Nominierungsreden (Audio Teil 1, Audio Teil 2).

12.09.2015, Altes Rathaus (Barocksaal) Wien. #WOLO15: Award-Gala für ausgezeichneten Kulturpessimismus // Fotocredit: Karola Riegler

12.09.2015, Altes Rathaus (Barocksaal) Wien. #WOLO15: Award-Gala für ausgezeichneten Kulturpessimismus // Fotocredit: Karola Riegler

Gewonnen haben 2015 Günther Oettinger (den Haupt- #Wolo15) und Josef Ostermayer und Wolfgang Brandstetter (den Publikums – #Wolo15), für die ich die Nominierungsreden schrieb (Disclaimer: Ich bin seit 2012/13 Jury-Mitglied.) Nachdem ich zahlreiche Anfragen bekommen habe, ob man die Nominierungsreden auch wo online nachlesen könne, komme ich dieser Bitte nach und veröffentliche meine Texte in alter WOLO-Tradition auf meinem Blog (aber: gesprochen klingt’s besser!).

Nominierungsrede von EU-Digitalkommissar Günther Oettinger (2015)

Hey, Mr. Taliban.
„Wenn jemand so blöd ist und als Promi ein Nacktfoto von sich selbst macht und ins Netz stellt, kann [man] doch nicht von uns erwarten, dass wir ihn schützen.“
Mit dieser Aussage fiel Günther Oettinger gleich bei seinem ersten Parlaments-Hearing zum Anwärter des EU-Digitalkommissars auf. Er sagte das völlig ungeachtet dessen, dass die Fotos der Promis eigentlich in einem passwortgeschützten Cloud-Dienst gespeichert lagen und wegen der dort vorherrschenden laxen Sicherheitsvorkehrungen gestohlen wurden. EU-Digitalkommissar wurde Oettinger trotzdem. Das war vor exakt 367 Tagen. Seither ist er „Cyberkommissar der Herzen“, wie ihn das Team von netzpolitik.org nennt, das spätestens seit der Landesverrats-Affäre jedem bekannt sein dürfte.

Mr. Cyberkommissar hat seit seinem Amtsantritt in Folge vor allem viel geredet und dabei viele Dinge über das Internet und die Netzgemeinde gesagt. Auf Einladung des deutschen Bundesfinanzministeriums diskutierte er etwa mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG über Google und die Netzneutralität. Ihr wisst schon, das ist die Gleichbehandlung aller Daten und Dienste im Netz. Für Oettinger sind das hingegen „Taliban-artige Entwicklungen“. Da ist die Netzgemeinde, da sind die Piraten unterwegs, da geht es um perfekte Gleichmacherei. Da heißt es die böse Industrie.“

Nicht dass wir uns jetzt falsch verstehen, Oettinger ist selbstverständlich für Netzneutralität, wie alle Politiker aller Lager. Aber er versteht unter Netzneutralität einfach was anders als die Netzgemeinde. „Ist es wichtiger, dass im Auto hinten rechts die sechsjährige Tochter hockt, und sich Musik runterlädt von Youtube, hinten links hockt der neunjährige Bengel und macht irgendwelche Games. Ich finde Youtube runterladen hat ein paar Sekunden Zeit. Ich finde das Game kann auch mal nicht perfekt auf dem Bildschirm sein. Aber die Verkehrssicherheit, ein kommerzieller Dienst, sollten von der Netzneutralität, von diesem Taliban-ähnlichen Thema abweichen dürfen.“

Notrufsysteme und selbstfahrende Autos sollten also ausgenommen sein, von der „Gleichmacherei“. Und das, obwohl so ein Zukunftsauto noch nicht einmal Internet braucht, wie BMW verlautbaren ließ. Wie er zu diesen Ansichten kommt, erzählte der Digitalkommissar unlängst einem meiner Kollegen: Oettinger trifft sie schließlich alle: die Lobbyisten aus der Industrie. Wann und wo, erfährt die Öffentlichkeit aber nicht. Als er dann kürzlich in seiner Funktion als Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft auch mal ein paar Vertreter der Zivilgesellschaft traf, setzte Oettinger allerdings gleich einen neuen Lobby-Transparenz-Standard: Er kündigte das Treffen mit zwölf Tweets an. Das muss ein wahrlich einzigartiges Ereignis gewesen sein, wie es scheint.

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Auch zum Urheberrecht hat Mr. „Sie sind ein Taliban“ viel zu sagen. Er fordert etwa ein Sachrecht für digitale Güter, also, dass digitale Güter mit physischen Objekten gleichgesetzt werden, und Geoblocking. Sie haben richtig gehört: Eine regionale Sperre von Internetinhalten durch Anbieter. Ansonsten würde der europäische Filmmarkt zusammenbrechen und es würde nur noch „Google & Co aus den USA“ geben. Oder der österreichische Fußball.Sie glauben doch nicht, dass der österreichische Fußball, der mittelmäßig ist, sich halten könnte, wenn es nur noch einen Markt gäbe? Dann wäre das Spiel Salzburg gegen Austria Wien nur noch sekundär. Dann gäbe es nur noch Real gegen Barca.“ Ob sich Herr Oettinger eigentlich am Dienstag das Match Österreich gegen Schweden angesehen hat? Wir wissen es nicht, Geoblocking sei dank konnte er es wohl nicht empfangen, in dem Land, in dem er sich gerade aufgehalten hat.

Verteidiger von VPN-Zugängen hält Oettinger übrigens auch für militant.„Sie sind in der Sache ein Taliban“bekam etwa mein Kollege zu hören, als er ihn gefragt hat, ob er mit Geoblocking im Zeitalter von VPN-Zugängen nicht gegen Windmühlen kämpft. Aber wir wollen mal nicht so sein. Unlängst setzte sich Oettinger etwa für den Ausbau der Datenautobahnen und digitaler Infrastruktur ein, der in Deutschland vernachlässigt werde. „Wir sollten lieber Schlaglöcher als Funklöcher in Kauf nehmen.“

Über seine einjährige Amtszeit sagte er: „Ich habe viele neue Wörter gelernt. Wir nominieren Günther Oettinger hiermit offiziell für den Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für seine besonders realitätsfremden und industriegeprägten Aussagen zum Internet und der Beschimpfung von Journalisten und Aktivisten als Taliban.

12.09.2015, Altes Rathaus (Barocksaal) Wien. #WOLO15: Award-Gala für ausgezeichneten Kulturpessimismus // Fotocredit: Karola Riegler

12.09.2015, Altes Rathaus (Barocksaal) Wien. #WOLO15: Award-Gala für ausgezeichneten Kulturpessimismus // Fotocredit: Karola Riegler

PS: Zwei Tage nach der Verleihung des #WOLO15 fiel Oettinger erneut mit diversen Aussagen auf: Internetkonzerne wie Facebook sollen für die Inhalte, die über sie verbreitet werden, haftbar gemacht werden. Gewaltverherrlichung, Pornografie und Hassreden gehören verboten! Das sei schließlich auch im TV so. „Wir müssen nun überlegen, ob einige Vorschriften auf neue Dienste und Plattformen im Internet ausgeweitet werden können“, sagte Oettinger. Na dann. Auf zum #WOLO16.

Nominierungsrede von Wolfgang Brandstetter (ÖVP) und Josef Ostermayer (SPÖ)

Kennen wir das noch? Die Leerkassette. Und die VHS-Kasette. Da ist Musik von Guns’n’Roses drauf. Und ein Film von Dirty Dancing. Legal kopiert. Damals waren das echte Privatkopien. Und dafür, das wir diese Kopie anfertigen durften, haben wir eine kleine Abgabe gezahlt. Und die wurde dann für die Künstler und kulturelle Förderungen verwendet. Völlig legitim war das damals.

Heute hören wir Musik via Spotify oder kaufen uns Lizenzen von Songs im iTunes-Store, oder wir besorgen uns Musik und Filme über andere Kanäle, wie ich es mal nennen mag. Keines dieser Dinge fällt unter die Definition Privatkopie. Denn die ist praktisch tot und die Songs, die wir streamen oder auch deren Lizenzen wir erwerben, gehören uns nicht einmal. Auch der illegale Download ist keine Privatkopie, sondern jetzt dank der Urheberrechtsnovelle offiziell wirklich illegal. Vorher: Grauzone.

Trotzdem sollen wir ab Oktober eine Abgabe zahlen und zwar auf alle Speichermedien, egal ob Notebook, Tablet, Handy, SD-Karten oder externe Festplatten, die so hoch ist, dass sie auch als verdeckte Steuer für den Staat noch lukrativ ist.

Die österreichische Bundesregierung hat die Abgabe auf all diese Speichermedien im Juli beschlossen – und zwar im Schnelldurchlauf. Hinter verschlossenen Türen haben sich ÖVP und SPÖ geeinigt, die Abgabe wurde ohne Hearing im Parlament durchgepeitscht.

Treffsicher und bewährt nennen sie es. Kulturminister Josef Ostermayer sagte etwa: „Mit der Weiterentwicklung der Leerkassetten zur Speichermedienabgabe wurde in Österreich ein Modell gewählt, das sich in vielen europäischen Ländern bewährt hat.“ Österreich macht also mal wieder das nach, was andere EU-Länder schon vorgemacht haben. Dass das nicht immer gut und zeitgemäß sein muss, nur weil es andere auch haben, wird ignoriert.

Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) sprach von einer „zeitgemäßen Lösung“, mit der „alle gut leben können“. Seine Filter-Bubble möchte ich haben. Und die SD-Karte seiner privaten Kamera möchte ich auch sehen, um zu checken, wie viele Privatkopien er darauf gespeichert hat.

Ostermayer und Brandstetter haben sich ihre Wolo-Nominierung doppelt verdient: Dafür, die lauten Stimmen, die dagegen waren, dank Filterbubble gekonnt zu ignorieren. Und dafür, im Jahr 2015 eine Steinzeit-Abgabe einzuführen. Wir müssen wohl wieder auf Leerkassetten umsatteln.